Welt der Wunder

Eine Geschichte von elektrische Zahnbürsten und Besteckeinräumern

04. Februar 2007 « zurück zum Kalender » 20. Februar 2007

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Sonntag
11.02.2007

   

Zwischen Würzburg und Frankfurt

Neulich Abends kam das, was immer Abends kommt: Das Theater mit dem Zähneputzen. Ich nehme an, ich hab es an der ein oder anderen Stelle schon mal beschrieben, das Duell, das sich zwischen Cate und der Zahnbürste entspinnt:

Ein verlassenes Nest im wilden Westen (El Paso der so). Trockene Strohbüsche rollen durch die leergefegte Hauptstrasse, irgendwo quitscht das Holzschild des Saloons, das im Wind schaukelt. Ein Pferd schnaubt, ein Hund bellt. In der Ferne klirrt eine Flasche Bier, doch unsere Helden, Cate und Bürsto El Dento, genannt "der Elektrische", stehen sich bewegungslos gegenüber. Die Spannung in der Luft knistert wie die Alufolie, die es früher noch um Schokoladentafeln gab, als man noch Alufolie zum Einwicklen von Schokoladentafeln verwendete.

Seelenruhig holt El Dento die Tube aus dem Halfter.Langsam, mit einer flüssigen Bewegung des Daumens der Hand, in der er auch die Tube hält, dreht er den Deckel ab - eine Bewegung, die er an langen, einsamen Abenden am Lagerfeuer perfektioniert hat - und läßt ihn achtlos auf den Boden fallen, während er sein Opfer ohne mit der Wimper zu zucken fixiert. Seine zahnpastatubebewehrte Hand bewegt sich zu seiner anderen Hand, in der die Borsten in der Sonne blinken. Mit geradezu maschinenartiger Präzision trägt er einen 3mm Durchmesser Streifen der weißen Paste auf die Fläche auf, auch hierzu verschwendet er nicht einen Blick, zu oft hat er diese Bewegung geübt, mit verbundenen Augen und einbeinig auf einem 5m hohen Stab in einem tibetischen Kloster stehend, wo er seine Ausbildung absolviert hat.

Er hat nur ein Ziel. Die Erzschurken Karius und Baktus müssen bekämpft werden, und er weiss, dass dies dem Kampf gegen die 7-köpfige Hydra oder des Sysiphos' Berg gleichkommt. Er hat seine Vorbereitungen abgeschlossen. Er atmet noch einmal tief durch, läßt den Kopf nach rechts und links kreisen, um seine Nackenmuskeln zu entspannen, und dann betätigt er den Schalter.

"Neiiiiiiiiin, nicht Zähneputzen", ruft das kleine Mädchen und rennt weg.

Ja, so ungefähr trug es sich bis anhin zu, doch vorgestern war was Neues. Um es kurz zu machen, Catie wollte mal wieder nicht Zähneputzen, und dann habe ich ihr noch einmal lang und breit erklärt, was das mit den Zähnen auf sich hat, und warum man die Zähne putzen muss, und vor allem (und das war glaub' ich der Clou), das ja alle anderen auch Zähneputzen. Ich hab Ihr also unsere Zahnbürste gezeigt, und dann die vom Luke, und dann wurden alle anderen 25 Zahnbürsten, die da noch irgendwo rumliegen und vermutlich nur noch zum Ketteschrubben verwendet werden, aber egal, der Zweck heiligte in diesem Fall die Mittel, einem Verwandten zugeordnet (Opa Uli, Oma Silke, Bert & Fabian, den jeweiligen Kindern etc.). Also, die ganze Welt putzt sich die Zähne und alle haben eine Zahnbürste bei uns, weil es ja so wichtig ist. Tja, und auf einmal ließ sich Madame anstandslos die Zähne putzen. Seitdem macht sie ganz brav den Mund auf, wartet geduldig ab, bis ich 4 mal bis 10 gezählt habe, und freut sich, wenn wir fertig sind.

Und die Moral aus der Geschicht? Ich weiß es nicht.

Freitag Abend dann, wir waren gerade dabei, das Geschirr in die Spülmaschine einzuräumen, kam Luke angewackelt, und fragte, ob erhelfen könne (ich schwör', es war keiner da, der es ihm gesagt hat). Und dann hat er das Besteck in die Schublade sortiert, weil er doch der beste Schubladensortierer auf der ganzen Welt ist. Ohne Zweifel :-)

     

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